Geschrieben am Samstag, 28. Januar 2006 um 23:46 Uhr
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Ein Kommentar zu “Kurzanleitung für Alltagsmythendeschifröhre”
So ein Nüßchen von Zitat aber auch! Allein schon das: -„die politische Belastung eines Objekts“- zu hinterdenken, kann einen die ganze Nacht kosten. Deshalb werde ich (kühn? tollkühn? dreist?) einfach ein anderes Zitat zurückwerfen. Wer will, kann sich - um da ein wenig Spannung reinzubringen - vorstellen, die Flugbahnen der beiden Zitate (”her” und “hin”) kreuzten sich an einem Punkt X - genau hier könnte es potentiell zu einer Karambolage kommen, will sagen: die Zitate prallen zusammen, zerschellen und stürzen ab (”it´s raining verbs and phrases”). Aus den am Boden verstreuten Splittern und Teilstücken ließen sich bestimmt 1-y neue interessante Zitate montieren, die dann wieder geworfen werden könnten usw…. - okay:
“Daraus ergibt sich eine neue Sicht des ich-liebe-dich. Es ist kein Symptom, es ist Aktion. Ich spreche, damit du antwortest, und die gewissenhafte Form der Antwort (der Brief) bekommt einen effektiven Wert, nach Art einer Formel. Es reicht also nicht aus, daß der Andere mir mit einem einfachen Signifikat antwortet, und sei es positiv (”ich auch”): das angesprochene Subjekt muß sich bereitfinden, das ich-liebe-dich, das ich ihm entbiete, zu formulieren, auszusprechen: Ich liebe dich, sagt Pelléas. - So wie ich dich, antwortet Mélisande. Die drängende Bitte von Pelléas (…) ergibt sich für das liebende Subjekt aus der Notwendigkeit, seine Liebe nicht nur erwidert zu sehen, dieser Erwiderung sicher zu sein usw. (…), sondern das auch bestätigt zu bekommen, mit einem Schlage, ganz, buchstäblich, ohne Ausflucht: keine syntaktische Ausrede, keine Variation: (ich will,) daß die beiden Worte einander ohne Rest entsprechen, Signifikant für Signifikant zusammenfallen (”ich auch” wäre das genaue Gegenteil einer Holophrase); worauf es ankommt, ist die physische, körperliche, labiale Aussprache des Wortes: öffne die Lippen, damit es hörbar wird (sei obszön). Was ich hartnäckig will, ist: das Wort bekommen.”
(aus: Roland Barthes, Fragmente einer Sprache der Liebe)
April 1st, 2006 00:27
So ein Nüßchen von Zitat aber auch! Allein schon das: -„die politische Belastung eines Objekts“- zu hinterdenken, kann einen die ganze Nacht kosten. Deshalb werde ich (kühn? tollkühn? dreist?) einfach ein anderes Zitat zurückwerfen. Wer will, kann sich - um da ein wenig Spannung reinzubringen - vorstellen, die Flugbahnen der beiden Zitate (”her” und “hin”) kreuzten sich an einem Punkt X - genau hier könnte es potentiell zu einer Karambolage kommen, will sagen: die Zitate prallen zusammen, zerschellen und stürzen ab (”it´s raining verbs and phrases”). Aus den am Boden verstreuten Splittern und Teilstücken ließen sich bestimmt 1-y neue interessante Zitate montieren, die dann wieder geworfen werden könnten usw…. - okay:
“Daraus ergibt sich eine neue Sicht des ich-liebe-dich. Es ist kein Symptom, es ist Aktion. Ich spreche, damit du antwortest, und die gewissenhafte Form der Antwort (der Brief) bekommt einen effektiven Wert, nach Art einer Formel. Es reicht also nicht aus, daß der Andere mir mit einem einfachen Signifikat antwortet, und sei es positiv (”ich auch”): das angesprochene Subjekt muß sich bereitfinden, das ich-liebe-dich, das ich ihm entbiete, zu formulieren, auszusprechen: Ich liebe dich, sagt Pelléas. - So wie ich dich, antwortet Mélisande. Die drängende Bitte von Pelléas (…) ergibt sich für das liebende Subjekt aus der Notwendigkeit, seine Liebe nicht nur erwidert zu sehen, dieser Erwiderung sicher zu sein usw. (…), sondern das auch bestätigt zu bekommen, mit einem Schlage, ganz, buchstäblich, ohne Ausflucht: keine syntaktische Ausrede, keine Variation: (ich will,) daß die beiden Worte einander ohne Rest entsprechen, Signifikant für Signifikant zusammenfallen (”ich auch” wäre das genaue Gegenteil einer Holophrase); worauf es ankommt, ist die physische, körperliche, labiale Aussprache des Wortes: öffne die Lippen, damit es hörbar wird (sei obszön). Was ich hartnäckig will, ist: das Wort bekommen.”
(aus: Roland Barthes, Fragmente einer Sprache der Liebe)