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Identität und Alterität

Montag, 30. Januar 2006

“Wie meine Mutter nun siehet, daß sie eine Witwen ist, und hat sich auf niemande gar sehr zuverlassen, und weil sie sonst ein guts Weib gewesen, da meinet sie sie müsse etwa sehen, wie sie bei guten Leuten ihren Aufenthalt hätte: begibet sich also in die Stadt, mütet ein Häuslin, und fänget an etlichen Studenten umbs Lohn zukochen; sie wusch auch etlichen Stallknechten des Commendators bei S. Magdalena: daß sie also mit denselben Stallbuben oft umbging: Da machet sie mit einem Mohren, der auch unter demselben Gesindlin war, und die Roß versorgen mußte, bessere Kundschaft: Derselbe Mohre kam etlichmal zu uns, und des Morgens früh ging er dann wieder davon: Andermal kam er auch bei Tage, gab für er wollte Eier kaufen und schlich sich also ins Haus hinein. Im Anfang verdruß michs, wenn ich den Kerles sahe kommen, ich furchte mich auch fast vor ihm, wenn ich sonderlich in acht nahm, wie er so ein greuliches schwartzes und schändliches Gesicht hatte: aber wie ich gleichwohl merkte, daß es bessere Schnabelweide gab, wenn er kam, da begonnte ich ihm günstig zu werden: denn er brachte allzeit Brot mit sich, auch gute Stücklin Fleisch, und Winterszeit auch Holtz, daß wir uns hübsch dabei wärmen konnten. Es schickte sich ja halt also, wie er so fortfähret, uns täglich zuspricht, und bei uns aus und ein gehet, da bringet mir meine Mutter ein hübsches Schwärtzlin auf die Welt gar ein feines Dinglin: Und ich mußte es dann zu Zeiten wiegen und sonst warten und einwindeln helfen. Es gedenket mich auch noch, daß einmal der schwartze Kerles mein Stiefvater stunde, und wollte mit dem Kinde spielen und Kurtzweile treiben; und wie das Kind ihm nun eingefasset hatte gehabt und gesehen, daß wir beide, die Mutter und auch ich weiß waren; und der Kerle schwartz, so scheute sichs vor ihme, und wollte durchaus zur Mutter; es zeigete auch mit dem Finger auf ihn; und sagte: Mutter, der Popelmann! Er aber lachte sein, und sagte: Je du Hurenkind! Ich war wohl noch ein kleiner Bube, noch merkte ich mir, was mein Brüderlin da tat: und sagte bei mir selbst: Wie viel solcher Leute mag es auf der Welt geben, die für andere eine Abscheu haben, weil sie sich selbst nicht kennen!”

Leben und Wandel Lazaril von Tormes. (ÜB: Anonymus, 1614), reclam 1389, S. 10 f.

“Mi viuda madre, como sin marido y sin abrigo se viese, determinó arrimarse a los buenos, por ser uno dellos, y vínose a vivir a la ciudad y alquiló una casilla, y metióse a guisar de comer a ciertos estudiantes, y lavaba la ropa a ciertos mozos de caballos del Comendador de la Magdalena, de manera que fue frecuentando las caballerizas. Ella y un hombre moreno de aquellos que las bestias curaban vinieron en conoscimiento. Éste algunas veces se venía a nuestra casa y se iba a la mañana. Otras veces, de día llegaba a la puerta, en achaque de comprar huevos, y entrábase en casa. Yo, al principio de su entrada, pesábame con él y habíale miedo, viendo el color y mal gesto que tenía; mas de que vi que su venida mejoraba el comer, fuile queriendo bien, porque siempre traía pan, pedazos de carne y en el invierno leños, a que nos calentábamos. De manera que, continuando la posada y conversación, mi madre vino a darme un negrito muy bonito, el cual yo brincaba y ayudaba a calentar. Y acuérdome que estando el negro de mi padrastro trebajando con el mozuelo, como el niño vía a mi madre y a mí blancos y a él no, huía de él, con miedo, para mi madre, y, señalando con el dedo, decía: -¡Madre, coco! Respondió él riendo: -¡Hideputa! Yo, aunque bien mochacho, noté aquella palabra de mi hermanico y dije entre mí: «¡Cuántos debe de haber en el mundo que huyen de otros porque no se veen a sí mesmos!».”

Anonymus, La vida de Lazarillo de Tormes y de sus fortunas y adversidades. 18. ed. Madrid 2005 (= cátedra, 44). Pág. 15-18